29.07.2014

Kibera Slum in Nairobi


 Fortsetzung von: Fairview Hotel

Kibera. Das ist das zweitgrösste Slum in Afrika und liegt 5 km hinter unserem Hotel. Eine Million (!) Menschen leben dort in grosser Armut, teilweise zu acht in ca 9qm kleinen Wellblechhütten. Es gibt kein Strom, kein fliessendes Wasser.

Vorweg - warum es hier keine Fotos über Kibera an dieser Stelle gibt.
Es gibt eine Touristen-Tour durch Kibera, die wir (wie auch in Namibia) nicht gemacht haben. Ich muss keine Tour machen um zu realisieren was für ein Glück ich habe so zu leben wie ich lebe und welchen Luxus ich geniesse, auch wenn das betätigen des Lichtschalters, das Aufdrehen des Wasserhahns und eine Toilette für uns nichts besonderes ist.

Ich gehe davon aus,  das man durch so eine Tour wahrscheinlich Geld in das Slum bringt (oder nicht?), und der Hintergrund auch ist auf das Problem aufmerksam zu machen. Ich habe aber auch gelesen, das die Bewohner es nicht mögen das man Schnappschüsse und Fotos von Ihnen und dem Slum machen, die ihre Armut zeigen und glauben das auch die Bilder dann verkauft werden und davon kein Geld an sie zurück fliessen. Tja und Tatsache ist, man kann für viel Geld Bilder auf Fotografie-Portalen von Kibera kaufen. Nur Kibera hat nichts davon. Und die Bewohner finden es ungerecht das die reichen Weissen hier durchlaufen und dann zurück in ihr schönes Leben gehen, während sie oft nicht genug zu Essen haben.

Wer sich für das Thema interessiert es gibt viele Bilder, Infos, Dokumentationen und You Tube Videos über Kibera im Netz.

An unserem Tag in Nairobi wo wir mit dem Auto unterwegs waren sind wir auch an Kibera vorbeigefahren. Es war unübersehbar, eine staubige Strasse führte von der Hauptstrasse zu tausenden Wellblechhüten (die Bewohner habe ca. 1 qm pro Person). Von einer Brücke über die Bahnschienen konnten wir direkt in diese erschreckende Armut reinschauen. Auf beiden Seiten des Gleises stehen direkt daneben die Wohnhütten. Der Anblick hat mich sprachlos gemacht. Befremdet war auch der Anblick, das genau angrenzend an das Slum neu gebaute Appartmenthäuser stehen, die aber unbewohnt aussahen.

Unser Fahrer, der aus Nairobi stammt hat uns dazu folgendes erzählt. Der Staat hat wohl den Neubau hingestellt mit dem Ziel das Bewohner von Kibera dort einziehen, leider fehlt denen logischerweise das Geld und somit kann es sich keiner leisten dort einzuziehen.  Ein Freund vom ihm hat auch keine Arbeit und lebt auch in Kibera, trotz das er Schulbildung und einen Uni-Abschluss hat. Das ist die Endstation wenn man Arbeitslos und arm ist.  Ich sag nur: ein Halleluja auf deutsches Arbeitslosengeld und Hartz IV.


Ich habe mich jetzt über Kibera informiert, weil ich so fassungslos bin, das Menschen unter so menschenunwürdigen Bedingungen leben müssen. Und ich hoffe das viele von Euch hier weiterlesen und auch darauf aufmerksam machen kann.

Hier ein paar Informationen. Das Wasser holen die Bewohner aus dem Stausee Nairobi Damm, das aber durch Abwasser und ungeklärtes Wasser verseucht ist.
Keine Kanalisation, es gibt eine Latrine für den Toilettengang für ca 50 Hütten (wenn die voll ist müssen die Kinder sie sauber machen - und ab damit in den Fluss - der wieder in den Stausee fliesst). Mittlerweile gibt es auch öffentliche Toiletten - hier teilen sich 1300 (!) Menschen eine Toilette (und das Abwasser fliesst in den Fluss). Ich habe auch gelesen das die Benutzung 5 cent kostet.
Die meisten machen aber  in eine Plastiktüte und schmeissen das einfach auf die Strasse - Flying Toilets - lecker.

Müll, Gestank, Kakerlaken, viele Malariamücken, Typhus. Über die Hälfte ist HIV positiv. Es gibt keine staatliche medizinische Versorgung - hier helfen nur freiwillige wohltätige Einrichtungen und Kirchen die auch einen kostenlosen HIV Test durchführen und kostenlos Medizin zur Verfügung stellen. Kinder werden teilweise nur 5 Jahre alt, keine Polizei, keine Bildung


Es gibt ein grosses Alkoholproblem, durch das billige Changaa (hochprozentiger Schnaps - mittlerweile ist eigentlich die illegale Herstellung verboten) ertränken viele die Probleme in Alkohol.

Interessant zu wissen: 
Das Land gehört dem Staat und die Hütten, wurden ohne Genehmigung, ohne Bebauungsplan, ohne Wasser- oder Stromversorgung. von  reichen Industriellen gebaut, die auch politischen Einfluss haben und die Hütten vermieten und daran Geld verdienen. Und diese Vermieter sitzen in den höchsten staatlichen Gremien und blockieren jeden Versuch der zuständigen Behörden die Verhältnisse in Kibera zu verbessern. Klar - die wollen ja ihre Einnahmequelle nicht aufgeben.
Den Behörden selbst fehlt es an Geld das zu ändern.Wie auch Alex den wir getroffen gesagt haben, tut die Regierung nicht wirklich was.


Unterstützung.

Ich habe von einem grösseren Projekt gelesen die versucht haben den Menschen dort zu helfen, und an den Menschen in Kibera hat das scheitern nicht gelegen. Das Problem scheiterte schon am Gesundheitsministerium die das Hilfsprojekt nicht verlängert haben, weil Ansprechpartner und Freiwillige fehlen die auch Spendengelder verwalten.

Aber es gibt durchaus auch kleine private durch Spenden finanzierte Projekte von kleinen Gemeinschaften, Kirchen, Paaren die vor Ort waren und auch von Einzelpersonen. Da geht es um die verschiedensten Probleme: um Toilettenbau, Desinfektion von Wasser, sauberes Trinkwasser, Unterricht und Bildung für Kinder, medizinische Versorgung, würdevolleres Leben im Slum, Hilfe zur Selbsthilfe.
Leider bin ich bei meiner Recherche auch auf unaktuelle Projektleichen gestossen, einige davon hatten die letzte Aktualisierung vor 2013, tja keine Zeit die Homepage zu pflegen oder es gibt die einfach nicht mehr - keine Ahnung, fallen aber aus dem Raster. Spendenprojekte müssen gepflegt werden, ich will ja wissen was mit meinem Geld passiert.

Lasst uns bewusst werden welchen Luxus des alltäglichen wir haben
und denkt mal auch an die, die nichts haben...

Eure
Princess


Fortsetzung klick hier: Elefantenwaisenhaus













Kommentare:

Kerstin Hissung hat gesagt…

Sehr gute Einstellung und trotzdem ein gelungener Blogbericht. Vielen Dank dafür. Grüße. Kerstin

Princess hat gesagt…

Vielen Dank Kerstin!